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Hundeschule Martina Müller

Reizangeltraining

Einer Reizangel kann kein Hund widerstehen! Dabei kann er seine angeborenen jagdlichen Triebe und Instinkte ausleben. Man kann wunderbar beobachten, dass das Jagen Hunden im Blut liegt: Auch ein unerfahrener Hund kann sich anschleichen, die Beute richtig hetzen und den Mäuselsprung! Es ist eine wunderbare artgerechte Beschäftigung für alle Hunde. Ursprünglich kommt das Training aus dem Jagdbereich und wird dazu benutzt, um Hunde für die "richtige" Jagd auf Wild zu trainieren.
Eine Reizangel ist ein ca. 150-200cm langer Stock mit einer ebenso langen Schnur daran. Praktisch sind hierfür z.B. Longierpeitschen, sie gibt es relativ günstig im Reitsportgeschäft. Diese sind auch biegsam genug, um ein evtl Zerren des Hundes aushalten zu können. ACHTUNG: Die Schnur darf nicht zu dünn sein, damit der Hund sich nicht verletzt, wenn er sich im Eifer des Gefechtes verheddern sollte. Zudem lassen sich aus etwas dickeren Schnüren die Knoten besser lösen.

Wie funktioniert die Reizangel?

Am Ende der Angel wird eine Beute befestigt. Da der Hund nicht wirklich auf Wild trainiert werden soll, kann man unterschiedliche Dinge daran befestigen: z.B. ein Futterbeutel, ein Spielzeug oder ein Kauknochen. Der Hund wird abgesetzt und die Beute in einiger Entfernung auf den Boden geworfen. Dann wird der Hund zum Apport geschickt. Kurz bevor er die Beute erreicht, zieht man sie mit Hilfe der Angel weg. Man kann jetzt die Beute um sich kreisen lassen, Richtungswechsel einbauen oder sogar Sprünge provozieren, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Durch die Bewegung der Beute an der Reizangel wird der Hund zur Jagd provoziert. Am Ende eines Durchganges "erlegt" der Hund immer seine Beute! Da wir ja auch sonst mit dem Futterbeutel arbeiten, ist die Jagd für den Hund "natürlich": er hascht die Beute und frisst sie dann. Seine Aufmerksamkeit und sein Bestreben wird noch mehr auf den Beutel gelenkt (das kann in anderen Situationen oftmals sehr nützlich sein).

Welche Hunde kann man mit der Reizangel beschäftigen?

Es kann kann jedem ausgewachsenen Hund eine Jagd mit der Reizangel geboten werden.
Aber Achtung: Für Welpen und noch nicht fertig ausgewachsene Junghunde eignet sich diese Art der Beschäftigung nicht, da ihre Bänder, Gelenke und Knochen noch nicht ausreichend gefestigt sind, um den auftretenden Kräften Widerstand zu leisten.

Selbst für ältere Hunde ist eine Reizangel geeignet, weil der Hund das Tempo selbst mit seiner Jagdgeschwindigkeit bestimmen kann. Falls er nicht mehr so schnell ist, bewegt man auch die Beute nicht so schnell und er verliert sie nicht aus den Augen und somit das Interesse. Zudem ist die "Jagdzeit" variabel, ein kräftiger, körperlich fitter Hund kann länger nach der Beute streben, bei einem älteren Hund reichen schon 1-2 Richtungswechsel (ca. 1-2 Minuten!) aus und die Jagd endet mit "dem Erlegen" der Beute.

Selbst körperlich fitte und gesunde Hunde sollten nicht länger als 5-10 Minuten mit der Reizangel jagen, dann ist eine längere Paue fällig! 

Selbst schwere Rassen, wie z.B. Berhardiner oder Neufundländer können gelegentlich auf die "Beutejagd" gehen, aber es sollten kurze Sequenzen sein, da sie vom Körperbau her nicht für längere Jagden ausgelegt sind (für diese Hunde eignet sich eher Fährtenarbeit). 

Wird der Jagdtrieb des Hundes nicht unkontrollierbar und stärker? 

Das kann mit einem ganz klaren "Nein!" beantwortet werden. Eine Anlage zur Jagd trägt jeder Hund mehr oder weniger in sich. Aber durch Training mit einer Reizangel rennt er nicht plötzlich los und sucht Wildspuren oder verschwindet unkontrollierbar im Gebüsch (vorausgesetzt er das vorher nicht auch schon gemacht). Ein sehr großer Vorteil des Reizangeltrainings ist, dass ihr Hund endlich seinen Jagdtrieb auslebenkann, zudem darf er eine Beute hetzen und sie dann evtl. auch noch verspeisen, also alles das tun, wozu seine Triebe und Instinkte ihn drängen und was bedauernswerterweise in der heutigen Umwelt des Hundes sehr oft nicht möglich ist. Zudem wird die Jagd von seinem Menschen initiiert und wird mit ihm gemeinsam begangen, was für einen Hund sehr viel spannender ist und er bei dieser Jagd auch immer Erfolg hat. 

Es gibt verschiedene Variationen

Logischerweise ist es schön für den Hund, nur hinter der Beute her zu hetzen. Aber mit der Reizangel gibt es auch verschiedene Variationsmöglichkeiten! Diese fördern den Gehorsam und verstärken die Beziehung Mensch - Hund zueinander. Eine relativ einfache Variation ist es, den Hund absitzen zu lassen und die Angel "auszuwerfen". Dabei steigert sich die Spannung für den Hund und er lernt, erst auf Kommando loszustürmen. Später kann man kleinere Schwierigkeiten einbauen, z.B. wenn man die Beute an der Angel langsam bewegt, der Hund aber trotzdem noch warten muß. Man kann dabei gut beobachten, welche Reizintensität der Hund gerade noch erträgt, bevor er losrennt. Und so kann man die Intensität langsam steigern. 

Das absolute Erfolgserlebnis ist es, den Hund mitten in der Hatz abrufen oder abpfeifen zu können, oder ihn in "Platz" legen zu können. Dieses bedarf aber sehr viel Übung und ein großes Einfühlungsvermögen des Halters, denn es wird ja nicht mit Gewalt oder Zwang gearbeitet! Ein weiterer Vorteil: Wenn man seinen Hund von dieser spannenden Beute in voller Jagd abrufen kann, dann kann man ihn normalerweise auch bei einem ungeplanten Spurt hinter echtem Wild abrufen. 

Gefahren! 

Die größte Gefahr ist die Überforderung für Ihren Hund! Diese Beschäftigung mit der Reizangel ist sehr anstrengend für ihn und es gibt wohl keinen Hund, der sich nicht immer weiter motivieren und begeistern lässst! Daher ist wirklich die Vernunft des Halters gefragt, um den Hund nicht völlig zu überfordern!!!!
Wichtig ist auch: Die Schnelligkeit des Laufens und die zum Teil engen Wendungen machen vor der Hatz ein Aufwärmen nötig, um "Sportverletzungen" wie Muskelkater, gerissene Bänder oder Zerrungen zu vermeiden!!!!

Das Training mit der Reizangel ist ein Hochleistungssport für den Hund!!!

Man sollte auch sehr vorsichtig mit der Schnur der Reizangel sein, damit sich der Hund keinesfalls im Laufen damit verheddert! Denn dieses kann böse Verletzungen nach sich ziehen! Es ist ratsam, zunächst einmal eine "Trockenübung" ohne den Hund mit der Reizangel durchzuführen und diese einfach mal durch die Gegend zu schleudern. Denn wichtig ist, dass man das Gefühl für die Trägheit der Beute am Ende der Schnur bekommt. 

Man sollte sich bewußt sein, dass das Spiel mit der Reizangel aufregend, spannend und ablenkend ist und daher sollte man keinesfalls ungeduldig werden, wenn solche Übungen wie Absetzen oder auch Abrufen nicht auf Anhieb klappen! Man fängt ganz einfach langsam an und dann setzt man sich Ziele, die wirklich realistisch erreicht werden können, denn das Reizangeltraining soll nämlich beiden (Mensch und Hund) Spannung und Freude bereiten!